Julien Gracq | Morton Feldman | Martin Curschmann | Frank Schablewski

Samstag 24. Mai 2003
Samstag 14. Juni 2003

 

Einführung 19.30h | Beginn 20h
Eintritt 12/8 Euro

     


Die Räumlichkeiten KUNST/MUSIK RAUM (vormals Bund bildender Künstler (BBK)) in der Gerresheimer Straße 22 verfügen über mehrere Etagen, die mit zeitgenössischer Literatur und Musik bespielt werden.

Die oben genannte Veranstaltung verbindet Formen zeitgenössischer Literatur und Musik miteinander: in simultanen Aufführungen literarischer Texte und Musik werden verschiedene Publiken (Konzertpublikum, Literaturinteressierte und Galeriebesucher) zueinander geführt und zu interrezeptionellen Interaktionen angeregt.

Die Simultanaufführung (Lesung plus Live - Musik) von Julien Gracqs Text "Die engen Wasser" (1976) und dem Klavierstück "Palais de Mari" (1986) von Morton Feldman, zusätzlich der Uraufführung des Klavierstückes "(17) Essays aus Musik" von Martin Curschmann werden aus der ersten Etage in den circa 280 qm umfassenden Kellerraum des KUNST/MUSIK RAUM übertragen. Nach einer kurzen Einführung zu den Autoren und Werken wird den Besuchern durch die räumlich entgegengesetzte Anordnung der Lautsprecher die Möglichkeit zu individueller Wahrnehmung der Ebenen Text und Musik gegeben.

Ziel dieses Projektes ist es, genau diesen in Deutschland weitestgehend unbekannten Autor/Komponisten genreübergreifend einem breiteren Publikum in ungewohnter Form erstmals zu präsentieren.

Abgesehen von der überragenden Bedeutung Julien Gracqs für die französische Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts, ist "Die engen Wasser" aufzuführen eine Wiederentdeckung für den deutschen Sprachraum (seit 1985 wurde der Text nicht wieder aufgelegt und zur Zeit vergriffen).

Morton Feldman soll hier einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Dazu präsentieren sich die Künstler Thom, Schablewski und Curschmann mit aktuellen Arbeiten (Vermittlung von Literatur und Musik mit künstlerischem Gegenwartsbezug).

Erläuterungen zu: Literatur und Musik
Julien Gracq und Morton Feldman, Martin Curschmann
"Die engen Wasser" (1985 deutschsprachige Erstausgabe) und
"Palais de Mari" for piano (1986), "(17) Essays aus Musik" (2003 UA)

Rezitator: Frank Schablewski

Komponist und Pianist: Martin Curschmann

zur Literatur
"... , das schlafende Mulde der Èvre, unbekanntes Nebenflüßchen der Loire, in die es fünfzehnhundert Meter nach Saint-Florent fließt, in der Landschaft meiner fernen Jahre einen privilegierten, ungleich geheimnisvoller prangenden Bezirk, ... (Auszug).

"Die engen Wasser" von Julien Gracq ist ein kurzer Roman "traumhafter Assoziation", der Rhythmus ist der Kurs der Gewässer, jene eines Zuflusses, der einen Lebensabschnitt beschreibt. Die engen Wasser ist eine Art Erforschung nach diesen Kindheitsorten, die sich bewegen im Rhythmus eines Films, der stattfindet und die Bewegung einer Barke auf dem Wasser dort sieht, die Bewegung ohne Rückkehr des Kurses dieser Gewässer-, ihrer Bezogenheit mit einer Mystik auf ein Leben, das stattgefunden hat und das jetzt anschaut, jenes narrenhafte. (...)

So deckt man in diesem dünnen Volumen - das transparenteste das leichteste aus dem Gesamtwerk von Julien Gracq, dessen Eurythmie sofort einen Charme auf den Leser (und Hörer, die Sol.) ausübt - so ist sein "ich" als auch jeder Ort ein Rückblick, eine Strecke, wo eine Theorie reverie und der Genuß der Lektüre sich mischen (...).
Claude Dourgain in œuvres complets von Julien Gracq, Pléiade, T2 p. 1459

zur Musik
Julien Gracqs Die engen Wasser verbindet sich ideal mit dem Klavierstück Palais de Mari von Morton Feldman. Wie sich leicht bewegende Wasseroberflächen bildet die Musik einen stets leicht changierenden rhythmisch-klangfarblichen Raum, hierin der Prosa Gracqs verwandt. Kontemplativ und meditativ wirkt die Musik dort, wo der Hörer in Gedanken zur Literatur ist. Das ist nicht illustrativ, sondern eine hohe Sensibilisierung gegenüber der instrumentalen Klangfarbe. Die Klangfarbe des Instruments, hier des Klaviers, betrachtet Feldman als primären musikalischen Parameter, dem er andere Parameter wie die Tonhöhe unterordnet. Am nächsten kommt diesem Werk die historische Leistung der Abstract Expressionists, die im vergleichbaren Sinne auf ihren Gemälden eine flache Oberfläche ohne perspektivische Konstruktion oder abbildende Funktion etabliert haben. Insofern stellt bei Feldman der Klang als akustische Oberfläche der Musik keine darunterliegende Tonhöhenkonstruktion zusammen. Der Klang soll als solcher für sich wahrgenommen werden. Zu diesem Klavierstück von Feldman, das die eine Hälfte der Zeit, des literarischen Vortrages dauert, komponiert und interpretiert der Düsseldorfer Komponist Martin Curschmann ein Klavierstück, das die Musik Feldmans und die Prosa Gracqs musikalisch reflektiert. (Uraufführung) Mit einer leicht rhythmischen Weiterentwicklung der Mechanisms von George Antheil entwirft Martin Curschmann seine Essays aus Musik.

Die Veranstaltung dauert ca. 70 min. mit einer kurzen Einführung zu den Texten und der Musik beziehungsweise der Autoren.